Dieses Jahr habe ich an dem School of Motion Kurs Explainer Camp teilgenommen. 
In 12 Wochen haben wir einen 30 sekündigen Erklärfilm oder Visual Essay von Anfang bis Ende erarbeitet. Das heißt, wir haben uns mit allem, vom ersten Telefonat bis hin zur Abgabe, beschäftigt. Anhand von dem im Kurs entstanden Video zeige ich euch einmal, was alles so passieren muss, bis ein fertiges Video zu sehen ist. Gleichzeitig erkläre ich euch, was eigentlich Moodboards, ein Animatic oder der Picture Lock sind und warum es wichtig ist, all die verschiedenen Schritte zu durchlaufen. 
Schritt 1: First Call und Angebot

Am Anfang der Entstehung eines Erklärfilms braucht es logischerweise ein erstes Treffen.
Was ist das Projekt? Was ist die Botschaft die übermittelt werden soll? Aber natürlich auch ganz praktische Fragen müssen geklärt werden. Was ist der zeitliche Rahmen? Gibt es bereits ein Skript? Oder was sind die visuellen Vorstellungen der Kund*innen?
Wenn das geklärt ist und ich eine erste Vorstellung vom Projekt habe, schreibe ich ein Angebot. Wenn das Angebot angenommen ist und wir uns auf den Preis geeinigt haben, geht es weiter.

Schritt 2: Visual Treatment und Moodboards

Im nächsten Schritt nehme ich mir das Skript vor und überlege, wie ich das gesagte zeigen möchte. Das schreibe ich einmal in einem visual Treatment grob auf. 
Außerdem erstelle ich Moodboards. Das sind Zusammenstellungen von Referenzbildern, die den Kund*innen zeigen, in welche Richtung das Design ihres Film gehen könnte. Zu jeder Richtung, die mir vorschwebt erstelle ich ein Moodboard. Meine Klient*innen können dann entscheiden, was ihren Vorstellungen entspricht. Und wir wissen beide, was gemeint ist, wenn von viel Abstraktion mit Texturen die rede ist oder von einem sehr flachen Look.
Gibt es eine klare Deadline für das Projekt, macht es Sinn einen Projektplan zu schreiben. Damit für alle genau klar ist, wann welcher Schritt fertig sein muss und wann ich die Rückmeldung zu meinem Moodboard oder ähnlichem brauche, damit alles pünktlich fertig wird.
Schritt 3: Storyboard

Wenn ich eine Rückmeldung zu dem Treatment und dem Moodboards bekommen habe und die gewünschte Änderungen abgenommen sind, geht es an das Storyboard.
In einer Reihe kleiner Skizzen zeichne ich auf, was ich mir genau welches Bild ich mir wann vorstelle. Ich mache ein paar gröbere Varianten, in denen ich nur ein Bild pro Szene zeichne. Wenn ich mich auf eine Idee festgelegt habe, erstelle ich mein Storyboard nochmal ein wenig ausführlicher. Hier zeichne ich mehrere Bilder pro Szene, so dass ich eine grobe Vorstellung davon habe, wie die Übergänge aussehen und wie sich einzelne Teile bewegen. Das ganze mache ich von Hand.
Da ich keine große Zeichnerin bin, sind diese Storyboards eher grob. Die analogen Skizzen scanne ich mir dann ein und verfeinere sie in Photoshop bzw. Illustrator noch etwas und mache sie vorzeigbar.
Meine Kund*innen bekommen durch das Storyboard eine grobe Vorstellung, von den Bildern im späteren Video und große inhaltliche Änderungen lassen sich noch schnell und einfach erledigen.
Schritt 4: Animatic 

Nach dem Storyboard kommt das animierte Storyboard - das Animatic.
Das heißt im Prinzip nichts anderes, als dass ich mir die Bilder aus dem Storyboard schnappe und sie hintereinander lege. Das sieht noch nicht sonderlich schön aus. Aber das Aussehen des finalen Films wird auch mit diesem Schritt wieder greifbarer. 
Entweder existiert das Voice-Over schon und ich nehme dies oder, wenn ich selber für die Vertonung verantwortlich bin, vertone ich das Skript erst einmal selber. Vielleicht fällt jetzt erst auf, dass das Skript doch viel zu lang ist für die geplante Zeit des Videos. Oder etwas klingt ausgesprochen doch nicht so gut, wie es geschrieben wirkt. Hat die Sprecher*in die Arbeit schon gemacht, wird es teuer Änderungen vorzunehmen. 
Dadurch, dass die Bilder jetzt eine zeitliche Dimension bekommen, kann ich wieder Dinge erkennen, die mir im starren aus separaten Bildern bestehenden Storyboard nie aufgefallen wären. z.B. Ob die Szene wirklich ausreichend lang zu sehen ist oder vielleicht viel zu lang. Gerade, wenn ich die Übergänge zwischen den Szenen mitdenke. 
Falls es nicht klar wird füge ich außerdem Zwischenbilder hinzu, die verdeutlichen, wie ich von einer Szene zur nächsten komme. Das ist nicht nur für die Kund*innen hilfreich, sondern auch für mich. Klappt das überhaupt, wie ich mir das vorgestellt habe? Macht es überhaupt Sinn, wenn die Objekte in der ersten Szene aus einer Seite rausfliegen und in der nächsten Szene auf einer Seite wieder ins Bild kommen?
Ich bekomme einen Einblick eine grobe Idee, wie der fertige Film aussieht, ohne bereits zu viel Zeit in Design und Animation gesteckt zu haben. Jetzt können das Skript, das Timing oder die Übergänge noch mit geringem Aufwand geändert werden. 
Schritt 5: Styleframes

Das Animatic ist abgesegnet, eventuelle Unstimmigkeiten im Timing sind ausgebügelt. Jetzt geht es endlich an das visuelle Design. Dazu nehme ich mir ganz einfach ein paar einzelne Bilder, sogenannte Frames, aus dem Storyboard und gestalte sie, wie ich mir das für das finale Video vorgestellt habe.
Je nach Art und Komplexität des Erklärfilms nehme ich verschiedene Frames aus dem Storyboard. Ich erstelle mehrere Varianten des Designs, die ich den Kund*innen vorlegen kann. Das Design hängt natürlich stark von den Wünschen der Auftraggeber*innen ab. Wenn ich in diesem Schritt sauber arbeite, habe ich bereits viele Grafiken für die spätere Animation erstellt.
In diesem Fall war es wichtig, dass Design der Wasser- und Verschmutzung-Symbole zu finden, da sie den ganzen Film über eine zentrale Rolle spielen. Also habe ich zuerst Vektor-Symbole erstellt, die ich im nächsten Schritt texturiert habe.
Schritt 6: Boardimatic

Das Boardimatic ist im Prinzip Animatic nur schöner.
Nachdem der Stil des Videos geklärt ist, macht es manchmal Sinn auch noch ein sogenanntes Boardimatic zu erstellen, gerade wenn das Video sehr komplex ist. Ich schnappe mir die Bilder vom Storyboard und erstelle für jede Skizze ein fertiges Bild, wie es auch im fertigen Video aussehen wird.
Das macht aus zwei Gründen Sinn. Einmal beschäftigen sich meine Kund*innen in der Regel nie so intensiv mit Videos und mit Animation. Natürlich möchte ich aber, dass sie sich so gut wie möglich vorstellen können, was sie am Ende bekommen. Im Eifer der Ideenfindung vergisst man gerne, dass das fertige Video genauso viel das “Baby” meiner Kund*innen, wie mein eigenes ist. Am Ende wollen wir natürlich beide zufrieden sein. Da ist eine gute, klare Kommunikation wichtig. Das spart Nerven (auf beiden Seiten), viel Zeit und damit natürlich Geld.
Außerdem arbeite ich mit den Boards viele Dinge aus, die ich genauso in der Animation verwenden kann. Alle grafischen Elemente sind schon vorbereitet und angelegt. Unstimmigkeiten im Stil sind ausgebügelt. Der Ablauf des Videos ist so klar, dass ich mich voll auf die Details konzentrieren kann, die ein interessantes Video, zu einem tollen Video machen.
Schritt 7: Animation

Endlich geht es los mit der Animation. Weil ich vorher alles gut vorbereitet habe, kann ich mich jetzt mit all meiner Energie auf die Animation konzentrieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich hier feststelle, dass etwas gar nicht so funktioniert, wie ich mir das in meinem Kopf ausgemalt habe, sinkt dramatisch. Weil ich es zu Papier gebracht habe und mich gezwungen habe, alles gut zu durchdenken.
Ich arbeite in verschiedenen Durchläufen. Im ersten baue ich die komplette Animation grob an. Ich nehme mir mein Animatic oder Boardimatic als Grundlage und lege alle Szenen an und animiere die Elemente so, dass sie der Vorlage entsprechend an ihrem Platz sind. Ein erster Durchlauf (First Pass) ist also nur ein Boardimatic mit rudimentären Übergängen. 
Danach verfeinere ich die Animation Schritt für Schritt, bis ich zufrieden genug bin, um es zur ersten Revision zu schicken. Nach ein paar Änderungen ist mein*e Kund*in hoffentlich so zufrieden, dass wir Picture Lock erreichen. Picture Lock bedeutet, dass der Bildebene fertiggestellt ist und nicht mehr verändert wird. Erst jetzt beginne ich mit dem Sounddesign.
Schritt 8: Sounddesign

Der Finale Schritt ist erreicht das Sounddesign. Die Animation ist fertig. Doch bei all dem Fokus auf das Bild, dürfen wir den Ton nicht vergessen. Der erste Schritt ist es jetzt das professionelle Voice-Over (VO) einzufügen. 
Ihr erinnert euch, bis jetzt habe ich nur ein Scratch VO, eine Aufnahme, wie ich selbst das Skript spreche, unter dem Clip. (guckt nochmal in den Post zum Animatic für mehr Infos dazu). Professionelle Sprecher*innen sind in der Lage sich an meine Geschwindigkeit anzupassen und haben durch die Vorlage eine Vorstellung, wie ich mir die Stimmung des Skripts vorstelle.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Musik. Ich habe bereits in der Vorplanung eine Musik ausgewählt, um die Stimmung gut zu vermitteln. Jetzt muss das finalisiert werden. Ist die Musik immer noch, die richtige? Muss eventuell eine Lizenz dafür gekauft werden? Der Schnitt der Musik verbessert werden, wenn ich das nicht bereits vorher gemacht habe.
Und als aller letztes, nicht zu vergessen, kommen die Soundeffekte. Kleine Elemente, die das Video noch lebendiger machen. Da es in diesem Video um Wasser geht, habe ich ausschließlich Sounds, die etwas mit Wasser zu tun haben gewählt. Meeresrauschen für den Anfang, tropfendes Wasser, für wenn das Wasser durch das Filtersystem läuft oder platzende Blasen für die Herzen.

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